Was uns bei unseren Kinderreporter-Einsätzen erwartet, ist jedes Mal eine große Überraschung. Dieses Mal wussten wir nur eins: Es wird groß – denn es geht ins Mercedes-Benz Werk Wörth, wo LKW hergestellt werden. Passend dazu haben Milena und ich unseren ferngesteuerten Spielzeug-Actros mitgebracht – die großen Lastwagen dürfen wir ja noch nicht fahren.

Schwere Einzelteile für große Fahrzeuge

Wir haben so viel Spaß dabei, mit dem kleinen LKW zwischen den großen Trucks umherzuflitzen, dass wir nicht aufpassen. Der Spielzeug-Truck fährt jemandem gegen den Fuß – keinem anderen als unserem heutigen Interviewpartner Matthias Jurytko, Leiter des Werk Wörth. Der nimmt es mit Humor, hebt den Truck auf und begrüßt uns lachend.

Ich bin ganz überrascht, als Matthias uns erzählt, dass keine zwei LKW, die hier vom Band gehen, genau gleich sind. Es gibt so viele Kombinationen – allein bei den Farben! Wenn jemand einen LKW bestellt, kann er sich ganz genau aussuchen, was er möchte, und der LKW wird dann genau so gebaut. Das stellen Milena und ich uns ziemlich kompliziert vor.

Milena fragt nach, ob die Teile in der Produktion von so großen Fahrzeugen nicht auch besonders schwer sind. Matthias sagt, dass es für die besonders schweren Einzelteile besondere Hilfsmittel gibt, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es bei ihrer täglichen Arbeit leichter haben und nicht so schwer heben müssen. Das ist gut – sonst wäre es sicher sehr anstrengend, einen LKW zu bauen!

Milena und ich packen an

Jetzt haben wir so viel über die LKW-Produktion gehört, jetzt wollen wir es auch einmal aus der Nähe sehen. Ein paar Stationen haben wir ja schon entdeckt, als wir mit unserem Spielzeug-LKW durch die Halle gedüst sind. Aber jetzt kommt ein Mitarbeiter von Matthias, Frederik Neises, der uns alles zeigen und genauer erklären kann.

Mit ihm ziehen wir weiter zu dem Teil am Band, wo die Fahrerkabinen zusammengebaut werden. Aber zuerst begrüßen wir einmal die Mitarbeiter am Band – auf ganz besondere Kinderreporter-Art. Dann zeigt uns Frederik, wie das Cockpit in die Fahrerkabinen eingebaut wird. Wie Milena und ich den Mitarbeitern so zuschauen, bekomme ich direkt Lust, das selber mal auszuprobieren. Ich frage Frederik einfach ganz direkt, ob wir auch mit anpacken dürfen. Und tatsächlich: Unter seiner Anleitung dürfen wir selber ein paar Schrauben festziehen. Das geht mit speziellem Werkzeug ganz leicht.

Vorhin haben wir noch von schweren Teilen gesprochen, jetzt stehen wir vor einer Station mit einem richtig schweren Teil des LKW: dem Rahmenbau. Nachdem der Rahmen lackiert ist, muss er einmal umgedreht werden. Das geht innerhalb weniger Sekunden ganz automatisch. Und auch hier dürfen wir den Kollegen helfen, ein paar Schrauben reindrehen und sogar einen der schweren Rahmen mit einer Fernsteuerung an den richtigen Platz bewegen. Das hat Spaß gemacht!

Kamera statt Spiegel: Cool!

An unserer letzten Station, dem Lackübergabeplatz, steht ein ganz besonderer, ganz neuer LKW. Mir fällt direkt auf, was an diesem anders ist: keine Außenspiegel! Wie kann das sein, der Fahrer muss doch etwas sehen können. Frederik erklärt uns, dass hier Kameras die Aufgabe der Seitenspiegel übernehmen. Der Fahrer sieht auf einem kleinen Bildschirm im Inneren des Cockpits, was die Kameras draußen aufnehmen. Das sorgt für weniger Luftwiderstand – und somit verbraucht der LKW auch weniger Benzin.

Wie cool es wäre, wenn Milena und ich auch in so einem riesigen LKW nach Hause fahren könnten. Wir verabschieden uns von Frederik und winken dem Actros hinterher. Wir freuen uns jetzt schon auf unseren nächsten Einsatz.

In diesem Video seht ihr, was wir in Wörth alles erlebt haben:

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Elektro-Lkw sind eigentlich ein alter Schuh

Die Idee von strombetriebenen Lastfahrzeugen ist nicht neu. Bereits vor über 100 Jahren – noch vor dem ersten Weltkrieg – wurden Lastwagen, Busse und Postautos elektronisch betrieben. Ab den sechziger Jahren überholten jedoch die Benzin- und Dieselkraftwagen die Elektro-Fahrzeuge in Leistungsstärke, Geschwindigkeit und Kraftstoffkosten, sodass die elektronisch betriebenen Fahrzeuge „in Vergessenheit“ gerieten. Erst durch die vermehrte Umweltverschmutzung und die Debatte um Ressourcenknappheit, rückten auch Elektro-Lkw wieder vermehrt in den Fokus.

Elektromotor
Schon vor einem Jahrhundert wurden Fahrzeuge mit Elektromotoren angetrieben

Auf leisen Rädern durch die Stadt

Bisher sind Elektro-Lkw noch eher selten auf unseren Straßen anzutreffen – das wird sich aber bald ändern. Viele Hersteller forschen momentan an Lastwagen mit Elektroantrieb, einige davon sind auch schon im Einsatz. Aufgrund ihrer begrenzten Reichweite von 200 bis 300 Kilometern sind sie hauptsächlich im städtischen Lieferverkehr unterwegs – wie bei der Müllabfuhr oder der Post. Hierfür sind die Elektro-Lkw sehr gut geeignet, da durch das viele Bremsen im Stadtverkehr so viel Energie wiedergewonnen werden kann, dass der Stromverbrauch nur sehr gering ist. Nur auf längeren Autobahnstrecken steigt der Stromverbrauch natürlich an. Werden die Akkus der Elektromotoren mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen „betankt“, sind sie zudem absolut umweltschonend und emissionsfrei. Im Vergleich zu einem Lastwagen mit Dieselmotor kann ein 40-Tonner innerhalb eines Jahres fast zwölf Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Aber nicht nur die Umwelt; auch unsere Ohren werden geschont. Elektromotoren sind deutlich leiser als normale Verbrennungsmotoren. Mit nur etwa 45 Dezibel hört man das leise Surren des Motors nicht einmal zwischen den üblichen Fahrgeräuschen heraus.

Elektro Lkw
Elektro-Lkw eignen sich heutzutage eher für kürzere Strecken

Daimler geht in die Serienfertigung

Anfang des kommenden Jahrzehnts will auch Daimler mit leichten Lastwagen mit Elektroantrieb in die Serienfertigung gehen. Geplant sind Lkw mit bis zu 26 Tonnen und 200 Kilometern Reichweite. Diese sollen dann im Stadtverkehr eingesetzt werden. Ob Elektro-Lkw irgendwann auch einmal für lange Strecken eingesetzt werden können, ist noch fraglich. Lastwagen sind sehr schwer und brauchen daher viel Energie für die Beschleunigung. Da Diesel im Vergleich zu Batterien jedoch etwa 50 Mal mehr Energie speichern kann, müsste eine Batterie, die genauso viel Energie aufbringen kann, ungefähr so groß sein, wie der Lastwagen selbst. So erklärt das Dr. Wolfgang Bernhard, Daimler-Vorstand für Lkw und Busse den beiden Genius-Kinderreportern Emma und Nick im Interview. Er hält es aber für möglich, zumindest die zehn Prozent der Lkw, die derzeit für den städtischen Verteilerverkehr fahren, in Zukunft elektrisch anzutreiben.

Wie funktioniert eigentlich ein Elektro-Lkw?

Bei den elektrisch betriebenen Lkw fallen Teile wie die Abgasanlage oder der Tank natürlich weg. Dafür gibt es einen großen Batteriepack, in dem der Strom für den Antrieb des Elektromotors gespeichert wird. Um diesen aufzuladen, benötigt man – je nach Größe der Batterie – etwa sechs Stunden Zeit. In der Vorderachse des Lkw befindet sich der Elektromotor, zudem gibt es die sogenannte Elektronik, die den Strom von der Batterie in den Elektromotor leitet – dieser treibt dann über die Achse die Räder an.

 

Bilder: Daimler AG