AIRBAG: Luftkissen als Lebensretter

Airbags_Titel

Er schlummert fast sein komplettes Dasein im Innenraum eines Lenkrads, wird nur in den absoluten Notfällen benötigt und wenn er dann doch mal gebraucht wird, ist sein Einsatz nach 0,15 Sekunden schon wieder vorüber. Trotzdem ist er ein absoluter Held und hat bereits tausenden von Menschen das Leben gerettet. Die Rede ist natürlich vom Airbag. Falls du dich also schon immer gefragt hast, wie so ein Luftkissenlebensretter im Auto funktioniert, solltest du jetzt unbedingt weiterlesen.

Weltraumrakete als Inspiration

Man könnte denken, dass sich die ursprünglichen Entwickler der Airbag-Technologie von Luftballons inspirieren ließen – doch weit gefehlt. Tatsächlich basiert die Funktionsweise des schützenden Luftkissens auf den Eigenschaften einer Weltraumrakete. Warum? Aufgrund der Gasgeneratoren. Denn damit sich der bis zu 60 Liter fassende Kunststoffsack in Blitzgeschwindigkeit ausdehnen kann, muss mit einer extrem hohen Geschwindigkeit Gas in ihn gepumpt werden – eine Rakete benutzt dieses Prinzip, um sich vom Boden abzudrücken.

Airbags Gas
Durch das Ausströhmen von Gas kann sich ein Airbag in Bruchteilen einer
Sekunde aufpumpen

Mercedes-Benz als Sicherheitsvorreiter

Diese revolutionierende Idee kam Sicherheitsexperten bereits Ende der sechziger Jahre, nachdem die jährliche Anzahl an Verkehrstoten immer weiter stieg. Obwohl viele dem Projekt skeptisch gegenüberstanden, präsentierte Mercedes-Benz schon 1980 den ersten Fahrer-Airbag in einem Serienfahrzeug.

Wenn du schon einmal einen Autounfall gesehen hast, weißt du: Das geht alles ziemlich schnell. Deswegen ist es das Wichtigste, dass so ein Airbag blitzartig funktioniert – in etwa so:

  • Bei Sekunde 0 crasht das Fahrzeug.
  • Nach 0,025 Sekunden registrieren spezielle Crash-Sensoren den Aufprall und entscheiden sofort, ob eine Auslösung des Sicherheitssystems notwendig ist. Wenn ja, zündet das Airbag-Steuergerät einen Gasgenerator. In ihm wird durch eine kontrollierte Verbrennung Gas freigesetzt.
  • Nach 0,03 Sekunden ist die Lenkradabdeckung bereits aufgerissen und der Gasgenerator bläst den Airbag auf.
  • Nach 0,055 Sekunden taucht der Fahrer in den komplett aufgeblasenen Luftsack ein.
  • Nach 0,085 Sekunden bewegt sich der Fahrer bereits wieder aus dem Luftkissen heraus und vom Lenkrad weg.
  • Nach 0,15 Sekunden ist das Unfallgeschehen abgeschlossen. Der Fahrer befindet sich wieder in der normalen Sitzposition und der Airbag ist schon wieder komplett entleert. Diese schnelle Entleerung ist übrigens wichtig, damit Hilfskräfte schnell und einfach zu den Personen im Auto gelangen können, um Erste Hilfe zu leisten.
Airbags Technik
Damit der Fahrer bei einem Unfall geschützt ist, taucht er mit dem Kopf in den aufgeblasenen Luftsack ein

Sicherheit mit System

Wenn ein Airbag komplett aufgeblasen ist, fängt er Kopf und Oberkörper des Fahrers ab und verteilt die Belastung dabei auf eine möglichst große Fläche. Dadurch wird vor allem die Bewegung von Hals und Nacken reduziert und schwere Verletzungen werden vermieden. Man sollte sich jedoch nicht allein auf den Airbag als Schutz verlassen: Das ganze Sicherheitssystem funktioniert nämlich nur, wenn der Fahrer auch richtig angeschnallt ist. Denn die Auslösung des Airbags ist perfekt abgestimmt mit dem sogenannten Gurtstraffer. Bei seiner Aktivierung wird das Band des Anschnallgurts gestrafft und liegt dadurch enger am Körper. Die Bewegung des Fahrers wird somit ebenfalls reduziert und sein Gewicht verteilt sich gleichmäßiger beim Aufprall im Luftkissen.

Neben den Airbags im Lenkrad, verstecken sich in einem Auto übrigens noch weitere aufblasbare Kunststoffsäcke: In den Sitzlehnen befinden sich die sogenannten Sidebags, in den Türen die Headbags und die Windowbags kommen bei einem Unfall aus den seitlichen Dachrahmen. Für den Schutz des Beifahrers befindet sich auf seiner Seite im Armaturenbrett natürlich auch ein Airbag. Dieser wird übrigens 0,01 Sekunden später als der Airbag des Fahrers gezündet, da die Person auf diesem Sitz bei einem Aufprall einen weiteren Weg zurücklegt.

In einem Auto befinden sich neben dem Airbag im Lenkrad noch vier weitere Kunststoffsäcke, die alle Insassen schützen
In einem Auto befinden sich neben dem Airbag im Lenkrad noch vier weitere Kunststoffsäcke, die alle Insassen schützen

Airbags für Fußgänger?

Obwohl die Airbag-Technik mittlerweile sehr weit fortgeschritten ist und viele Verletzungen verhindert, wird weiter an ihr geforscht: Seit 2012 gibt es sogar Airbags für Fußgänger. Diese sind natürlich nicht in der Handtasche oder im Smartphone eingebaut, sondern befinden sich ebenfalls im Auto – unterhalb der Scheibenwischer. Bei einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger legen sie sich über die Windschutzscheibe, sodass der Aufprall gedämpft wird. Alternativ wird von Fahrzeugherstellern auch die aktive Motorhaube eingesetzt. Sie hebt sich bei einem Unfall mit einem Fußgänger blitzschnell an. Dadurch wird die Person beim Sturz auf das Auto abgefedert. Daimler setzt bereits seit einiger Zeit auf diese Technik und macht somit die Straßen für alle Verkehrsteilnehmer sicherer.

Bilder: Daimler AG