Der Truck der Zukunft: Fahren wie von Geisterhand

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Wie ist es möglich, dass ein Lkw selbstständig auf der Straße fährt, ohne dass der Fahrer die Hände am Lenkrad und die Füße auf den Pedalen hat? Oder hast du schon mal davon gehört, dass sich ein Lkw-Fahrer sein Abendessen auf dem Rastplatz über sein Tablet vorbestellen kann? Wir erklären dir, was ein Future Truck und was ein Highway Pilot sind und wozu man sie überhaupt braucht.

truck previewViele Autos tragen bereits jetzt zahlreiche kleine Helfer in sich, die „Assistenzsysteme“ genannt werden. Es gibt beispielsweise Regensensoren, die feststellen, wie stark es regnet und daraufhin die Scheibenwischer einstellen. Und die Lichtsensoren, die die Verhältnisse außerhalb des Fahrzeugs untersuchen und dementsprechend das Licht regeln. Oder auch den Spurwechselassistent, der dem Fahrer hilft zu erkennen, ob sich auf der Spur neben ihm ein anderes Fahrzeug befindet, sodass er die Spur nicht wechseln kann. Alle diese Assistenzsysteme sollen dem Fahrer des Autos helfen, sicherer und bequemer unterwegs zu sein.

truck autobahnWas wäre denn nun der nächste Schritt, den man erfinden müsste? Vielleicht den Autonomieassistent? Ein Assistent also, der das Auto von alleine fahren lässt? Zwar gibt es keinen Autonomieassistenten, aber autonomes, also selbstständiges Fahren des Fahrzeugs, ist trotzdem möglich. Theoretisch ist das mit dem Auto auch schon möglich, aber wahrscheinlich werden es bald erst einmal die Lkws sein.

future truckDenn Daimler hat im Juli den „Future Truck 2025“ vorgestellt. Das ist ein Lkw, der aus verschiedenen Technologien und neuen Komponenten ein intelligentes System in sich trägt, das sich „Highway Pilot“ nennt. Diesen Highway Pilot kann der Lkw-Fahrer einschalten, sobald er sich auf der Autobahn befindet. Dann kann er sich gemütlich zurücklehnen und den Lkw autonom fahren lassen. Es gibt sogar die Möglichkeit, den Fahrersitz ein wenig zur Seite zu drehen, sodass der Fahrzeugführer nicht mehr direkt hinter dem Lenkrad, sondern viel bequemer, sitzt.

Der Highway Pilot ist ein sehr schlaues System. Es verfügt über eine dreidimensionale Karte, auf der dem Fahrer immer angezeigt wird, wo er sich gerade befindet. Doch wie sieht der Future Truck, was um ihn herum passiert?  Am Lkw sind verschiedene Sensoren und Kameras angebracht. Es gibt zum Beispiel unten am Fahrzeug so genannte Frontradarsensoren, die dafür zuständig sind, den Bereich 250 Meter vor dem Lkw zu erfassen. Der Nahbereichssensor ist für den Bereich 70 Meter vor dem Fahrzeug zuständig. Hinter der Windschutzscheibe ist außerdem noch eine Stereokamera versteckt. Man könnte sie auch als „Augen des Fahrzeugs“ bezeichnen. Sie kann bis zu 100 Meter weit blicken und kann ein- und zweispurige Fahrbahnen, Fußgänger, bewegliche und unbewegliche Gegenstände und sämtliche Objekte innerhalb des überwachten Raumes identifizieren. Für die Überwachung der Fahrbahn rechts und links sind seitlich angebrachte Radarsensoren zuständig. Alle diese Sensoren sind miteinander vernetzt. Das Ergebnis ist: der Lkw sieht scheinbar alles. Die Sensoren und Kameras sieht man von außen hingegen nicht.

future truck 1Wie ist es eigentlich möglich, dass der Highway Pilot Informationen von anderen Fahrzeugen erhält? Das funktioniert nur dann, wenn in Zukunft alle Fahrzeuge miteinander vernetzt sind. Das bedeutet, dass jedes Auto, jeder Lkw oder jeder Bus ein System in sich trägt, mit dem Kontakt zu anderen Fahrzeugen aufgenommen werden kann. Dann würden sich die Fahrzeuge, die sich in der gleichen Umgebung befinden, nämlich ununterbrochen mit Informationen versorgen. Zum Beispiel mit Informationen über die Fahrzeugposition, den Fahrzeugtyp, die Größe, die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit. Doch nicht nur die Fahrzeuge untereinander sollen miteinander kommunizieren können. Die Informationen sollen beispielsweise auch an Verkehrsleitstationen gesendet werden. So können die Mitarbeiter dort auf die jeweiligen Situationen reagieren und zum Beispiel die zulässige Höchstgeschwindigkeit verändern.

Für Lkw-Fahrer wird das Führen eines Trucks in Zukunft deutlich entspannter, als es jetzt ist. Sie müssen das Fahrzeug nicht mehr selbst durch die vollen Autobahnen lenken, denn das übernimmt ja der Highway Pilot. Das gibt dem Fahrer die Möglichkeit, sich während der Fahrt mit anderen Dingen zu beschäftigen. Er kann sich zum Beispiel über das Tablet um eingehende Aufträge kümmern. Und, was ihm einigen Stress nimmt: er kann sich sogar über das Tablet nach einer passenden Raststätte umsehen, auf der er die Nacht verbringen will. Deshalb sind die Raststätten auch in das System eingebunden. Der Fahrer sucht sich einen Schlafplatz seiner Wahl – dann sendet der Truck von alleine eine Parkplatzreservierungsanfrage. Wenn der Parkplatz noch zu haben ist, dann wird eine Reservierungsbestätigung an das System übermittelt. Und was das Beste ist: der Fahrer kann sich sogar sein Essen über das System bestellen und sich schon während der Fahrt darauf freuen.

future truck 2Es gibt jedoch auch Dinge, die der Highway Pilot nicht kann beziehungsweise nicht machen darf. So kann der Highway Pilot nur dann eingeschaltet werden, sobald der Lkw auf der Autobahn ist. Das heißt, der Fahrer muss das Fahrzeug zunächst selbst auf die Autobahn lenken. Will er sie wieder verlassen, muss der Fahrer ebenfalls eingreifen. Auch beim Überholen ist der Fahrzeugführer gefragt. Von technischer Seite her wäre es eigentlich möglich, dass der Lkw die Autobahn autonom verlässt und auch selbstständig andere Verkehrsteilnehmer überholt. Doch die Gesetze in Deutschland erlauben das(noch) nicht.

Welche Vorteile hat denn dieser Future Truck nun konkret? Einerseits spart man mit ihm viel Geld. Denn das System ist so schlau, dass es zum Beispiel auch merkt, dass bald eine Kurve kommt und dann schon mal frühzeitig abbremst. Das trägt zu einem flüssigeren Verkehr bei und spart Sprit. Andererseits sorgt der Future Truck für mehr Sicherheit auf den Straßen, da sich die Systeme der einzelnen Fahrzeuge untereinander verständigen können und somit Unfälle unwahrscheinlicher werden. Außerdem kann man mit Hilfe des Systems besser einschätzen, wie lange ein Transport dauert.