Enrico Wohlfarth entwickelt autonome LKW

Enrico Wohlfarth

„Neugierde ist das Wichtigste!“

Enrico Wohlfarth ist Ingenieur für Fahrzeugtechnik und arbeitet bei der Daimler AG. Sein Job: Er entwickelt autonom fahrende LKW, also LKW die ganz von alleine fahren. Mit den beiden Genius-Kinderreportern Emma und Nick hat der 45-jährige eine Probefahrt im Mercedes-Benz Actros mit Highway Pilot auf der Autobahn unternommen und ihnen genau erklärt, wie die LKW ganz alleine fahren können. Hier findet ihr das Video zur Testfahrt. Jetzt erzählt er dir im Interview, wie er Ingenieur geworden ist, was du als Ingenieur mitbringen musst und warum es für ihn sein absoluter Traumjob ist.

Genius: Sie arbeiten als Ingenieur bei der Daimler AG. Was haben Sie für eine Ausbildung?

Enrico Wohlfarth: Ich habe mich schon immer für Autos fasziniert – schon als Kind. Mit 15 Jahren hatte ich mein erstes Moped, an dem ich viel gebastelt und gewerkelt habe. Später habe ich mir für wenig Geld Autos gekauft, die ich repariert habe. Nach der Schule absolvierte ich erst einmal eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, später machte ich noch meinen Meister. Ich habe in einer KFZ-Werkstatt gearbeitet und Lehrlinge ausgebildet. Später studierte ich dann in Berlin Maschinenbau mit Vertiefung Fahrzeugtechnik. Meine Diplomarbeit habe ich bei der Daimler AG geschrieben und seit dem bin ich hier. Ich habe also mein Hobby zum Beruf gemacht.

Genius: Was sollte man für Fähigkeiten und Kompetenzen als künftiger Ingenieur mitbringen?

Enrico Wohlfarth: Neugierde ist das Wichtigste! Und: Keine Angst vor Technik, keine Angst, etwas kaputt zu machen. Ich habe schon früher als Kind immer alles auseinander genommen, weil ich wissen wollte, wie technische Geräte funktionieren. Man sollte auch Interesse an Mathe und Physik haben. Und natürlich einen inneren Forscherdrang: Wie kann ich etwas verbessern? Auch Teamarbeit ist in meinem Job ganz wichtig. Von einem engen Austausch im Team profitiert das ganze Produkt.

Testfahrt mal anders - Erste Kinder unterwegs im
Enrico Wohlfarth mit Genius-Kinderreporter Emma und Nick bei einer Testfahrt

Genius: Wie sieht bei Ihnen ein normaler Arbeitstag aus?

Enrico Wohlfarth: Das Tolle ist, dass es keine normalen Arbeitstage gibt. Mein Tag ist aber sehr vom Kalender bestimmt. Ich habe viele Besprechungen. Das Schönste ist für mich, auf Erprobungsfahrt zu gehen, und die entwickelten Produkte zu testen. Zu sehen, ob alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Das ist besonders spannend. Man freut sich, wenn alles so klappt, wie gedacht. Manchmal gibt es aber auch Rückschläge, wenn es nicht so funktioniert. Das spornt aber erst recht an, weiterzumachen.

Genius: Sie haben die autonom fahrenden LKW für die Daimler AG federführend mit entwickelt. Wie lange hat dieser Prozess gedauert und was genau war Ihr Job dabei?

Enrico Wohlfarth: Die Initialzündung kam von unserem Vorstand Dr. Wolfgang Bernhard. Er gab uns 2013 den Auftrag für die IAA 2014 einen autonom fahrenden LKW zu entwickeln, also einen LKW, der von alleine fährt. Wir hatten schon vorher mit Assistenzsystemen gearbeitet, aber einen alleinfahrenden Truck gab es weltweit noch nicht. Elf Monate haben wir an der Entwicklung gearbeitet. Ich war für die Entwicklung der autonomen Fahrsysteme verantwortlich. Meine Aufgabe bestand darin, dem Fahrzeug das Fahren beizubringen. Ich war also der Fahrlehrer dieses Future Truck. Dieses Projekt ist ein echtes Highlight in meiner Karriere.
Das zweite große Projekt fand dann in Amerika statt. Dort haben wir die Technik aus dem Future Truck in den sogenannten Freightliner Inspiration Truck in Nevada eingebaut. Da war ich ein halbes Jahr in Amerika. Ich bin also auch immer viel in der Welt unterwegs.

Genius: Was ist Ihr aktuelles Projekt? Woran arbeiten Sie gerade?

Enrico Wohlfarth: Wir sind dabei, den autonomen LKW weiter zu entwickeln. Wir vernetzen ihn, damit er künftig noch besser mit anderen Fahrzeugen kommunizieren kann – beispielsweise wenn es eine neue Baustelle auf der Autobahn gibt. Dann kann der Truck das künftig an andere Fahrzeuge melden. Wir sammeln dazu Daten auf Testfahrten. Unser Ziel: Den autonomen LKW in ein paar Jahren in Serie auf die Straße zu bringen.

Enrico Wohlfarth
Enrico Wohlfarth vor dem Mercedes-Benz Actros mit Highway Pilot

Genius: Was würden Sie gerne mal entwickeln. Haben Sie eine Vision, einen Traum?

Enrico Wohlfarth: Mein Traum ist, dass die Trucks, die wir hier entwickeln, bald ganz normal auf der Autobahn zu sehen sind. Dass ich an der Raststätte neben einem Future Truck stehe und sage: Da ist mein System drin. Und vor allem, dass dadurch die Unfälle auf den Autobahnen erheblich verringert werden.

Genius: Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Enrico Wohlfarth: Dass ich ihn machen darf. Ich mag meinen Job und habe sehr viel Spaß an meiner Arbeit, weil sie so abwechslungsreich ist. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Weitere Infos über das Berufsbild Ingenieur /in für Fahrzeugtechnik findest du hier.

Bildquellen: Fotos 1 und 3: Daimler AG; Foto 2: Maren Breinich