„Die Zusage war ein Sechser im Lotto“

Ausbildung mit Behinderung

Marcel ist 18 Jahre alt und macht bei der Daimler AG eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik. Der Unterschied zu den meisten seiner Kollegen ist, dass er eine körperliche Einschränkung hat – ihm fehlen zwei Finger an der rechten Hand. Außerdem hat er eine Hörbeeinträchtigung. Das hindert ihn aber nicht daran, seine Ausbildung mit vollem Einsatz anzugehen. Über 8.000 Menschen mit Handicap sind bei Daimler deutschlandweit beschäftigt – sie sind ein fester und wichtiger Bestandteil der Belegschaft. Einen großen Stellenwert legt Daimler dabei auf die Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung – wie Marcel. Genius hat ihn im Daimler-Werk in Wörth besucht und ihn gefragt, wie ihm seine Ausbildung gefällt und wie er mit seiner Einschränkung im Arbeitsalltag umgeht.

Genius: War es schon immer dein Wunsch, eine Ausbildung im Bereich Metalltechnik zu machen?

Marcel: In der Berufsfachschule konnten wir uns aussuchen, ob wir zum in Richtung Wirtschaft, Metalltechnik oder Holztechnik gehen wollten. Mir war damals schon klar, dass ich im Bereich Metalltechnik arbeiten möchte und so ist es dann ja auch gekommen.

Genius: Wie bist du zu Daimler gekommen?

Marcel: Ich habe dort von der Schule aus ein Praktikum gemacht und uns wurde vorgeschlagen, sich danach für eine Ausbildung zu bewerben. Während des Praktikums konnten wir in verschiedene Berufe reinschauen und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich direkt beworben habe.

Genius: Wie hast du dich gefühlt, als du die Zusage bekommen hast?

Marcel: Das war wie ein Sechser im Lotto. Einfach unglaublich. Meine Familie hat sich auch riesig gefreut. Mein Vater hat erst gedacht, ich veräppele ihn, als ich ihm davon erzählt habe.

Ausbildung mit Behinderung
Das Bedienen von Maschinen ist für Marcel mittlerweile kein Problem mehr und es macht ihm riesigen Spaß

Genius: Unterscheiden sich deine Ausbildungsinhalte zu denen der regulären Ausbildung deiner Kollegen?

Marcel: Inhaltlich machen wir genau das Gleiche. Wir lernen Grundlagen wie Bohren, Feilen und Sägen und wie die Dreh- und Fräsmaschinen funktionieren. Letztens habe ich auch einen Schweißkurs besucht, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Mittlerweile arbeiten wir an kleineren Projekten, an denen wir das Gelernte direkt anwenden können. Der einzige Unterschied zur regulären Ausbildung ist, dass unsere nur zwei anstatt drei Jahre geht.

Ausbildung mit Behinderung
Dieser Handyhalter ist eins der Projekte, bei denen Marcel sein gewonnenes Wissen schon anwenden konnte

Genius: Was war das für ein Gefühl, das erste Mal eine Maschine zu bedienen?

Marcel: Das war ein richtig tolles Gefühl. Am Anfang war ich natürlich aufgeregt, aber mit der Zeit bekommt man schnell eine gewisse Routine und weiß, was man machen muss. Falls doch mal ein Fehler passiert, sind die Kollegen schnell zur Stelle.

Genius: Welcher Moment deiner Ausbildung war für dich bisher am schönsten?

Marcel: Da mir das Schweißen am meisten Spaß macht, war der Schweißkurs ein absolutes Highlight für mich. Seit ein paar Tagen bin ich jetzt in der Produktion, im Fachbereich Rohrbiegerei, tätig. Dort biegen wir Leitungen für Lkw. Das gefällt mir auch sehr gut.

Ausbildung mit Behinderung
Nach der Ausbildung möchte Marcel am liebstem einmal in der Produktion arbeiten

Genius: Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?

Marcel: Zuerst möchte ich gerne in der Produktion arbeiten, also da, wo ich gerade auch in der Ausbildung eingesetzt werde. Da mir das Schweißen so sehr gefallen hat, möchte ich mich anschließend darauf spezialisieren. Später könnte ich dann im Rohbau arbeiten.

Bilder: YAEZ Verlag / Silas Zbornik