„Das Schönste ist, wenn am Ende alles funktioniert”

Jonas Moosmann liebt es, zu programmieren – und genau das macht er in seinem Beruf als „Entwicklungsingenieur Software Hardware” bei Mercedes. Genius hat sich mit ihm über seinen Beruf unterhalten. Was genau er da macht, woran er arbeitet und warum man für seinen Beruf gar nicht unbedingt gut in Mathe sein muss, erzählt er im Interview.

 

Genius: Was ist deine Berufsbezeichnung – und was versteht man genau darunter?

Jonas:  Die offizielle Berufsbezeichnung ist „Entwicklungsingenieur Software Hardware”. Meine inoffizielle Berufsbezeichnung wäre vielleicht Software-Entwickler und auch Software-Projektleiter.

Es hängt natürlich von der aktuellen Situation ab, was das genau beinhaltet. Das kann je nach Projekt unterschiedlich sein. Einerseits kann es sein, dass ich selbst Software entwickle, also Prototypen entwickle. Da versuchen wir, neue Sachen im Fahrzeug auszuprobieren, wie die Software-Zukunft im Fahrzeug aussehen kann. Es kann aber auch sein, dass ich als Projektleiter Dienstleister betreue, die für uns Software entwickeln, gerade bei größeren Themen. 

 

Was macht man da den ganzen Tag? Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Wir starten jeden Tag mit 15 Minuten, in denen jeder projektbezogen erzählt, was er gerade macht, was ihn gerade bewegt, wo er Probleme hat. Wir schauen, wo können sich die Leute gegenseitig unterstützen, damit wir schneller vorankommen und auch unser Ziel aus der Entwicklung nicht aus den Augen verlieren. Dann gibt es natürlich einige Meetings, in denen wir Lösungen erarbeiten: Wie soll das System funktionieren, welche elektronischen Komponenten haben wir (also die Hardware-Teile), die dann mit Software interagieren? 

Und natürlich besteht ein großer Teil meines Arbeitstages daraus, Software zu entwickeln und zu testen. Manchmal fahren wir auch direkt mit dem Fahrzeug, um alles zu erproben und zu schauen, wie es sich verhält. Je nachdem, was da rauskommt, müssen wir die Ergebnisse entweder direkt umsetzen, also zum Beispiel Fehler beheben, oder die Anpassungen an entsprechende Dienstleister weitergeben.

 

Woran arbeitest du gerade? Gibt es ein bestimmtes Projekt, über das du ein bisschen erzählen kannst?

Aktuell ist es das Projekt EQXX, das ist ein Konzeptfahrzeug, das mit einer Batterieladung über 1.000 km schafft. Da bin ich in der Software-Projektleitung und entwickle selber Software mit.

In dem Rahmen ist es so, dass ich zuständig bin für die Software im Instrument-Cluster und in der Head-Unit– das ist das, was die Person auf der Fahrerseite sieht, also die Tachoanzeige mit den Warnsymbolen, der Geschwindigkeitsanzeige, der Blinker … Dazu gehört aber auch das Entertainment-System in der Mitte – Navigation, Radio etc. Das sind die Bereiche, für die ich zuständig bin. Hier arbeite ich eng mit der Designabteilung zusammen: Die entwickeln ein Konzept, wie das alles aussieht, welche Funktionen es geben soll, und wir setzen es dann letztendlich um.

Was magst du an deinem Job am liebsten?

Dass es nie das Gleiche ist. Was wir entwickeln, ist jedes Mal was Neues. Das liegt ein bisschen auch in der Natur der Sache. Bereits existierende Software kann man natürlich auch kopieren und wiederverwenden – aber für neue Funktionen müssen wir ganz neue Software schreiben. Und es kommen immer neue Technologien hinzu. Jedes Jahr gibt es neue Frameworks – das sind Bibliotheken, auf die wir zurückgreifen können, die gewisse Funktionalitäten zur Verfügung stellen. Es bleibt also immer spannend.

 

Was war das Coolste, was du im Beruf mal erlebt hast?

Das Schönste ist immer, wenn man sehr lange auf etwas hingearbeitet hat, viel drüber nachgedacht hat, auch viele Fehler beheben musste – und wenn dann am Ende alles funktioniert. Wenn wir die Funktionen so erleben, wie sie später auch der Kunde erleben soll, der das Fahrzeug gekauft hat, das ist das Schönste.

 

Warst du als Kind schon technikbegeistert oder ein Auto-Fan?

Ein bisschen vielleicht. Ich habe gerne mit Technik-Bausteinen gebaut, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Das Interesse für Fahrzeuge kam erst später, mit der Arbeit bei Mercedes. Ich arbeite jetzt aktuell sehr gerne mit Autos zusammen, aber es ist das Programmieren, wofür ich wirklich brenne.

 

Was muss ich in der Schule lernen, damit ich mal dasselbe machen kann wie du?

An der Stelle sagen die meisten sofort: Mathe. Das würde ich aber gar nicht so unterschreiben. Ich war während der Realschule richtig schlecht in Mathe, das wurde erst später besser. Logisches Denken ist immer gut. Ich würde immer empfehlen, so früh wie möglich Wahlfächer zu belegen, die mit Programmierung zu tun haben. Das ist sehr hilfreich. 

Ich selbst bin auch nicht den klassischen Weg übers Abitur gegangen. Ich bin nach der Realschule auf ein Berufskolleg gegangen, wo die technischen Fächer im Fokus standen. Das hat mir wahnsinnig viel gebracht, auch später im Studium. Gerade, wenn man nicht so die Person ist, die gerne Deutsch, Englisch oder Mathe im Abitur macht, dann ist es eine sehr gute Option, frühzeitig über ein Berufskolleg in ein bestimmtes Interessensgebiet einzusteigen. 

 

Welche Tipps hast du noch für künftige Software-Entwicklerinnen und -Entwickler?

Ein großer Vorteil ist immer, wenn man an etwas Bestimmtem Freude hat, sich auch privat damit zu beschäftigen. In der Softwareentwicklung könnte das zum Beispiel sein, für einen Verein, in dem man tätig ist, die Website zu machen, eine App zu schreiben … Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich für Werkstudentenstellen zu bewerben, wo man auch ein bisschen Geld bekommt. Das ist immer eine tolle Möglichkeit, um einfach schon praktische Erfahrung zu sammeln – und genau das öffnet einem nachher alle Türen. Noten sind gut und wichtig, aber Leute, die aus Spaß und Interesse in der Freizeit Software entwickelt haben, sind meistens einen guten Schritt voraus.